Sich selbst mit anderen Augen begegnen.

Wenn der strengste Kritiker im eigenen Inneren lebt.

Viele Menschen, die psychotherapeutische Unterstützung suchen, leiden nicht nur unter ihren aktuellen Belastungen.

Sie leiden vor allem unter dem Blick, mit dem sie auf sich selbst schauen.

Sie erleben sich als nicht gut genug.

Nicht belastbar genug.

Nicht erfolgreich genug.

Nicht liebenswert genug.

Sie stellen hohe Ansprüche an sich selbst.

Übersehen eigene Stärken.

Und entschuldigen sich oft sogar für Dinge, für die sie keine Verantwortung tragen.

Nach außen wirken sie häufig kompetent.

Innerlich begleiten sie Selbstzweifel.

Manchmal schon seit vielen Jahren.




Wenn der strengste Kritiker im eigenen Inneren lebt.

Unser Bild von uns selbst entwickelt sich nicht zufällig.

Es entsteht in Beziehungen.

Durch Erfahrungen.

Durch Rückmeldungen.

Durch das, was wir als Kinder über uns gelernt haben.

Und durch das, was wir im Laufe unseres Lebens immer wieder erlebt haben.

Wer Anerkennung erfahren hat,

entwickelt meist Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Wer dagegen häufig Kritik,

Ablehnung,

Beschämung,

Überforderung

oder emotionale Vernachlässigung erlebt hat,

entwickelt oft einen sehr kritischen inneren Blick auf sich selbst.

Mit der Zeit erscheint dieser Blick selbstverständlich.

Dabei ist er häufig das Ergebnis einer langen persönlichen Geschichte.




Selbstkritik schützt manchmal.

Viele Menschen wünschen sich,

endlich weniger streng mit sich selbst zu sein.

Das ist verständlich.

Aus psychodynamischer Sicht lohnt sich jedoch zunächst eine andere Frage:

Welche Funktion erfüllt diese Selbstkritik?

Vielleicht hat sie einmal geholfen,

Fehler zu vermeiden.

Vielleicht sollte sie vor Ablehnung schützen.

Vielleicht entstand sie aus dem Wunsch,

endlich Anerkennung zu bekommen.

Vielleicht war sie die einzige Möglichkeit,

in einem schwierigen Umfeld zurechtzukommen.

Wenn wir diese Zusammenhänge verstehen,

verändert sich häufig auch der Blick auf die eigene Selbstkritik.

Sie wird nicht länger nur als Feind erlebt.

Sondern als etwas,

das einmal eine wichtige Aufgabe hatte.




Vom Verurteilen zum Verstehen.

Viele Menschen versuchen,

ihren Selbstwert zu stärken,

indem sie sich positive Sätze sagen.

Oder versuchen,

sich stärker zu motivieren.

Das kann hilfreich sein.

Nach meiner Erfahrung reicht es jedoch nicht immer aus.

Nachhaltige Veränderung beginnt dort,

wo Menschen verstehen,

weshalb sie sich selbst so begegnen,

wie sie es tun.

Nicht Selbstoptimierung.

Sondern Selbstverständnis.

Denn wer sich selbst besser versteht,

beginnt oft ganz von selbst,

sich freundlicher zu begegnen.



Selbstwert zeigt sich auch im Körper.

Der Blick auf uns selbst zeigt sich nicht nur in Gedanken.

Er zeigt sich auch körperlich.

In unserer Haltung.

In unserer Atmung.

In unserer Stimme.

In der Art,

wie wir einen Raum betreten.

Oder wie viel Platz wir uns selbst zugestehen.

Manchmal nehmen wir uns unbewusst zurück.

Manchmal spannen wir uns dauerhaft an.

Manchmal vermeiden wir Blickkontakt,

obwohl wir uns eigentlich Begegnung wünschen.

Das bewusste Wahrnehmen des Körpererlebens kann helfen,

diese Zusammenhänge besser zu erkennen.

Und neue Erfahrungen mit sich selbst zu ermöglichen.




Ein wohlwollender Blick entsteht nicht auf Knopfdruck.

Viele Menschen hoffen,

eines Tages einfach selbstbewusst zu sein.

Nach meiner Erfahrung entwickelt sich Selbstwert anders.

Schritt für Schritt.

Durch neue Erfahrungen.

Durch Verstehen.

Durch Beziehung.

Und durch die Erfahrung,

mit den eigenen Schwächen,

Gefühlen

und Unsicherheiten angenommen zu sein.

Nicht Perfektion verändert den Selbstwert.

Sondern die Möglichkeit,

sich selbst als ganzen Menschen anzunehmen.




Vielleicht erkennen Sie sich wieder.

Psychotherapie kann hilfreich sein, wenn Sie ...

  • häufig an sich selbst zweifeln.
  • sich ständig mit anderen vergleichen.
  • Angst haben, Fehler zu machen.
  • hohe Ansprüche an sich selbst stellen.
  • Lob nur schwer annehmen können.
  • sich schnell schuldig fühlen.
  • sich selbst häufig abwerten.
  • sich einen freundlicheren Umgang mit sich selbst wünschen.




Sich selbst neu kennenlernen.

Ein tragfähiger Selbstwert entsteht nicht dadurch,

dass wir perfekt werden.

Sondern dadurch,

dass wir beginnen,

uns selbst zu verstehen.

Mit unserer Geschichte.

Mit unseren Verletzungen.

Mit unseren Stärken.

Mit unseren Grenzen.

Und mit der Erfahrung,

dass wir mehr sind

als unsere Fehler.

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